Darf die Kirche das?

Ein Kommentar zur öffentlichen Distanzierung der katholischen Kirche von AfD-Politik.

Einen satirischen Spaß erlaubte sich der katholische “Echter Verlag” vergangene Woche, um auf die Unvereinbarkeit des Christentums mit der AfD aufmerksam zu machen: Eine Broschüre mit dem Titel „Christliches in der AfD“ ist gefüllt mit: Leeren Seiten. Laut der Tageszeitung „Die Welt“ reagierte die Partei prompt und nannte die Veröffentlichung einen „Skandal“.

Doch Kritik kam nicht nur von rechts außen: Auch die ein oder andere (französisch-)laizistisch geprägte Person mag mit der Bemerkung, dass Staat und Kirche stets zu trennen seien, auf Zustimmung stoßen. Ein begründetes Argument? Schließlich wäre es wohl auch für Viele absolut inakzeptabel, wenn Bischöfe plötzlich massenweise Empörung über linke Politik kundtun würden. Was hat ein katholischer Verlag also in deutscher Politik zu suchen?

So einiges. Zumindest dann, wenn eine Partei für sich beansprucht, christliche Werte zu vertreten – und dabei genau das Gegenteil tut. Die sogenannte „Alternative für Deutschland“ bezeichnet sich selbst nicht nur als christlich, sondern bezieht ihre Politik explizit auf das Christentum, wie sich beispielsweise im AfD-Parteiprogramm nachlesen lässt. Oder wie Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, im Interview mit domradio.de sagte: “Bei uns (in der Partei) werden die christlichen Werte gelebt, vertreten und sind auch programmatisch verankert”.

Die Kirche hat eine moralische Verantwortung

Dabei beinhaltet ihre Politik so ziemlich das Gegenteil davon. Nämlich einen strukturellen Ausschluss von Menschen aufgrund ihrer Nationalität, Hautfarbe oder – Religion. Hier darf und muss die Kirche, in wessen Namen diese Politik gerechtfertigt wird, handeln; allein schon im Hinblick auf die historische Verantwortung der deutsch-katholischen Kirche, man denke nur an die Zeit des Nationalsozialismus. Es sind keine christlichen Werte, wenn man gegen Menschen hetzt – das sollte sie glasklar zum Ausdruck bringen. Und zwar nicht nur, um sich selbst zu distanzieren. Sondern auch, weil eine der Aufgaben einer Kirche darin besteht, ausgestoßenen Menschen ihre Hilfe und die Aufnahme in ihre Gemeinschaft anzubieten, unabhängig von Herkunft und sozialer Zugehörigkeit. Wenn sie rechte Hetze nicht als solche benennt, wie sonst kann sie den Unterdrückten zu verstehen geben, dass sie sich für sie einsetzt und für sie da ist? Es geht hier nicht um irgendeine Politik oder Gesetzesvorschlag, der der Kirche nicht passt. Würden „linke“ Politiker*innen menschenfeindliche Äußerungen tätigen, hätte die Kirche selbstverständlich ebenso ein Recht auf Einmischung. Ganz abgesehen davon, dass keine linke Partei ihre Werte ernsthaft mit der Bibel begründet.

Wenn gegen Menschen (rassistisch) gehetzt wird, ist jede*r verantwortlich, aufzustehen und sich dagegen zur Wehr zu setzten. Wer das nicht tut, stellt sich damit automatisch auf die Seite des Unterdrückers. Insbesondere die Kirche, die Werte wie „Nächstenliebe“, „Gerechtigkeit“ und „Fürsorge“ ganz großschreibt, hat eine moralische Verantwortung. Und insbesondere dann, wenn Hetze in ihrem Namen geschieht.

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Die AfD bekennt sich zur “deutschen Leitkultur”, die u.a. die “religiöse Überlieferung des Christentums” enthält. Davon hält der katholische Verlag nicht sehr viel. Foto: pixabay.com

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